Die Zukunft der Einsamkeit

Am Ende des letzten Winters erschien eine gigantische Plakatwerbung über Android, Googles Betriebssystem, über dem Times Square in New York. In kleiner „Sans Serif“-Schrift – Unternehmenskodex für freundlich – wurde erklärt: „be together. not the same.“  Dieses Mantra fasst das magische Moment des Webs zusammen – seine Existenz als Raum, in dem niemand den Schmerz der Einsamkeit leiden muss , in dem Freundschaft, Sex und Liebe nie mehr als einen Klick entfernt sind, und Unterschied eine Quelle von Glamour ist, nicht der Schande. (Artikel in Englisch)

Wer bin ich? Was bin ich eigentlich wert? Wer mit unseren Daten Geld verdient

Wir werden gefilmt, getrackt, vermessen und kategorisiert und das ständig und vor allem ohne dass wir es so richtig bemerken. Und das nicht nur von Google, Facebook und Co, sondern auch von so scheinbar altmodischen Unternehmen, wie der guten alten Deutschen Post.

Nugg.ad heißt ein Unternehmen, das Online-Werbefirmen hier seine neuen Methoden der Kundenanalyse anpreist. Nugg.ad analysiert, wie wir uns durch die Online-Portale der großen Nachrichtenseiten wie Süddeutsche.de, Zeit.de oder bild.de, klicken. Aus diesen Daten werden Profile von uns erstellt, mit deren Hilfe entschieden wird, welche Werbung wir auf der Seite sehen. Daten über uns werden praktisch bei jedem Klick in der Online-Welt gesammelt, aber auch bei immer mehr Schritten in der Offline-Welt.

Es geht nicht um Google

Wer jetzt glaubt, dass Nugg.ad eine total heißes New-Economy, super neues Start-Up-Unternehmen ist, der liegt allerdings falsch. Nugg.ad ist die Tochterfirma eines scheinbar ganz und gar langweiligen Unternehmens der Old-Economy. Der Deutschen Post. Die Post ist einer der größten Datenhändler in Deutschland,  und mischt fleißig beim Online- und Email-Marketing mit.

Vor allem aber verfügt die Deutsche Post über 37 Millionen Adressen, die sie mit über einer Milliarde zusätzlichen Informationen  – vom Alter über Einkommen bis zum eigenen Auto – anreichern kann und an die Werbeindustrie verkauft. Den Handel mit den Daten übernimmt eine Tochterfirma, die Deutsche Post Direkt. Auf der Webseite der Post Direkt, kann sich dann jeder die passenden Adressen mit Zusatzinformationen raussuchen.

Post Direkt ist nicht die einzige Firma, die ein solches Datenhandelsportal im Netz betreibt. Auch die schwäbische Firma Schober, die auch mit der Post zusammen arbeitet, bietet ihre Daten im Netz feil. Bei Schober ist die Auswahl bei den Zusatzinformationen nicht ganz so umfangreich, wie bei der Post. Aber auch hier wird man sicher fündig. Nach eigenen Angaben, stehen der Schober Information Group 50 Millionen Adressen zu Verfügung.

Personenbezogene Daten, also etwa unsere Namen oder Adressen, mit denen wir uns eindeutig identifizieren lassen können, sind besonders sensible Daten. Eigentlich darf mit diesen Daten nichts gemacht werden, ohne dass wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Das erlaubt es, das bestimmte Daten wie: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl, weitergegeben werden dürfen, ohne dass man seine Einwilligung gibt.

Das Listenprivileg

Personenbezogene Daten, also etwa unsere Namen oder Adressen, mit denen wir uns eindeutig identifizieren lassen können, sind besonders sensible Daten. Eigentlich darf mit diesen Daten nichts gemacht werden, ohne dass wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Das erlaubt es, das bestimmte Daten wie: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl, weitergegeben werden dürfen, ohne dass man seine Einwilligung gibt.

Eigentlich sollte 2009 das Datenschutzgesetz so verändert werden, dass dieser Handel nicht mehr möglich ist. Eine Lobby aus großen Datenhändlern, Versandhändlern und auch Zeitungsverlegern brachte die Gesetzesänderung zu Fall. Und so dürfen in Deutschland weiter auch unsere Namen und Adressen gehandelt werden, ohne dass man seine Zustimmung gibt.

Zusammenwachsen von On- und Offline-Tracking

Wenn man also in Deutschland über Datenschutz und -handel spricht, muss man eben nicht nur über Google, Facebook und Co. sprechen, sondern auch über die gute alte Deutsche Post. Wenn nicht sogar noch mehr, denn die Post und andere deutsche Datenhändler haben Zugriff auf einen Offline-Datenschatz von dem ein Unternehmen wie Google im Moment nur träumen kann. Und Post und Co. arbeiten hart daran ihre Off- und Online-Aktivitäten zu verbinden, damit man uns in Zukunft noch besser über unsere Lieblingsprodukte informieren kann.

Autor dieses Beitrags ist Sebastian Strube aus der Zündfunk-Redaktion beim Bayerischen Rundfunk. Den Original-Artikel finden Sie hier.

Günstige Versicherungen: Nur noch für die Braven?

Amerikanische Versicherungen arbeiten schon an Modellen, wie sie mit Hilfe von Big Data die Gesundheitsrisiken oder die Lebenserwartung möglicher Kunden berechnen können. Vieles, was Menschen im Netz tun, lässt Rückschlüsse auf ihren Lebensstil zu. Essen sie Fast Food, machen sie genug Sport?

Überleben inmitten von Cookies

„Durch die weitere Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden, damit wir Ihnen auf Ihre Interessen abgestimmte Inhalte und Dienste anbieten können.“

Sie haben genug von dieser Mitteilung, die in den letzten Monaten immer wieder auf Websites angezeigt wird? Am einfachsten machen Sie es sich, indem Sie auf „OK“ klicken und die Sache damit erledigt haben.

Wenn Sie aber einmal auf die Idee kommen, „Nein“ zu antworten, ist es mit einem einfachen Klick nicht getan. In dem Fall brauchen Sie eine ganze Anleitung.

Erste Möglichkeit: Die Cookies im Browser blockieren

Jeder Internetbrowser verfügt über die Funktion, Drittanbieter-Cookies, also die Dateien, die Sie im Internet von Website zu Website verfolgen, zu blockieren.

  • Firefox: Einstellungen -> Tab „Datenschutz“ -> Menü „Firefox wird eine Chronik“ -> „nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen“.
  • Internet Explorer: Einstellungen -> Internetoptionen -> Tab „Datenschutz“ -> Einstellungen -> Schieben Sie den Cursor nach oben -> klicken Sie auf „OK“.
  • Chrome: Menü Einstellungen -> Erweiterte Einstellungen anzeigen -> klicken Sie auf „Inhaltseinstellungen“ -> Setzen Sie dann beim Kästchen „Drittanbieter-Cookies und Websitedaten blockieren“ ein Häkchen -> klicken Sie auf „OK“.
  • Safari: Einstellungen -> Safari -> Cookies blockieren -> immer blockieren

Zweite Möglichkeit: Ein Add-on verwenden

Nach Folge 1 haben wir Ihnen eine Liste von Tools vorgestellt, mit denen bestimmte Tracker, darunter auch Cookies, verfolgt oder blockiert werden können.

Disconnect beispielsweise ist eine kleine Erweiterung, die in der Browserleiste jederzeit die Cookies anzeigt, die von der gerade aufgerufenen Website verwendet werden.

Dritte Möglichkeit: Den Add-on Share Me Not verwenden

Mit den ersten beiden Methoden wird den Cookies von Werbeunternehmen ein Ende gemacht, aber auch die sozialen Netzwerke haben ihre Fühler nach unseren Browsern ausgestreckt (in Folge 3 von „Do Not Track“ erfahren Sie mehr zu diesem Thema). Um diesen Cookies Herr zu werden, benötigen Sie die Erweiterung Share me not, die die Schaltflächen der sozialen Netzwerke blockiert und so verhindert, dass Facebook, Twitter oder Google+ Sie verfolgen. Die ganz neue Erweiterung PrivacyBadger kombiniert sogar die Funktionalitäten von Disconnect und Share Me Not.

Mit Cookiepedia können Sie außerdem Ihre Lieblingswebsites testen und die Art und Anzahl der Cookies, die auf den Geräten der Nutzer gespeichert werden, in Erfahrung bringen (nur auf Englisch verfügbar). Das haben wir in Folge 2 getan.

„Gehen Sie einfach nicht ins Internet“

Es ist aber nicht leicht, sich vor dem Tracking zu schützen. Die Werbeindustrie arbeitet an neuen Methoden, die sie trotz des angekündigten Rückgangs von Cookies zur Online-Profilierung nutzen kann. Wie sagte der Chef eines Werbeunternehmens dem Magazin Forbes in einem Moment der Aufrichtigkeit doch so schön: „Wenn Sie nicht möchten, dass man weiß, was Sie im Internet treiben, gehen Sie einfach nicht ins Internet“.

Die Cookies, die für einen Großteil der Werbemitteilungen in unseren Browsern verantwortlich sind, sind bereits technologisch überholt.

Mit dem Fingerprinting kann jeder Computer, der auf einer Website navigiert, an seiner Konfiguration (installierte Software, Schriftarten, Einstellung der Uhr usw.) identifiziert werden. Mit der Website Am I Unique kann die Genauigkeit dieses Tools beurteilt werden, das fast fehlerlos zwei unterschiedliche am Netz angeschlossene Computer unterscheiden kann. Bin ich im Internet einmalig? Die Antwort lautet: ja! PrivacyBadger arbeitet laut eigener Aussage an einer Methode zum Blockieren des Fingerprinting.

Die Tracker sind immer einen Schritt voraus

Die derzeit neueste Erfindung sind Zombie-Cookies, die wieder zum Leben erwachen, nachdem sie vom Nutzer gelöscht wurden. Das amerikanische Werbeunternehmen Turn hat es geschafft, ein System zu entwickeln, das die Internauten von Verizon, einem Internetanbieter, identifizieren kann, auch wenn diese die Cookies blockiert oder gelöscht haben. Die Enthüllungen von Julia Angwin (in einem Interview mit Do Not Track) haben einen derartigen Sturm der Entrüstung ausgelöst, dass Turn sich gezwungen sah, diese Praktiken zu unterlassen und seine Zombie-Cookies ein für alle Mal ins Jenseits zu befördern.

Die Wissenschaft hinter dem Tracking entwickelt sich aber immer weiter. Man kann Tracker mit den neuen Substanzen vergleichen, die bei Dopingtests nicht nachweisbar sind. Sie sind den Aktivisten, die Programme zu deren Vermeidung entwickeln, immer einen Schritt voraus. Die Verfolgung von Trackern verlangt viel Ausdauer.

Vincent Glad

Datenschutz im Internet: Gut gerüstet gegen Datenklau

Nachrichtensuche bei Google, Urlaubsbilder auf Facebook oder Bücher-Stöbern bei Amazon: Überall im Internet hinterlassen wir digitale Spuren. Nicht nur die Geheimdienste lesen dort mit, auch Hacker und Werbeindustrie interessieren sich für unsere Daten. Wo Gefahren drohen, welche Maßnahmen zum Schutz der Daten wichtig sind und welche Alternativen es zu den Datenkraken gibt.

Der gläserne Leser: Wie Verlage ihre Nutzer tracken

Google und Facebook – für Journalisten sind die Internetriesen oft einfach nur „Datenkraken“. Keine Frage: Diese Unternehmen scannen fleißig das Surf-Verhalten ihrer Nutzer. Dabei unerwähnt bleibt allerdings, dass viele Medienhäuser und nicht zuletzt ihre Werbekundschaft das Publikum im Digitalen ebenfalls beobachten und „Tracker“ installieren.

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