Stalking: 144 große deutsche Websites setzen auf unlöschbaren Cookie-Nachfolger „Fingerprinting“

Eine Studie belegt, dass Cookies in der Werbeindustrie schon der Vergangenheit angehören. 100.000 Websites haben die Forscher untersucht. Dabei kommen bei rund sechs Prozent Tracking-Techniken zum Einsatz, die Nutzer nicht löschen oder unterbinden können.

„It‘s a bug, not a feature“ – Sagt Facebook zum Tracking von Nicht-Usern…

Facebook behauptet, das Tracking von Nichtnutzern über Social Plugins und Co. sei unbeabsichtigt. Ende März hatten Forscher der Universität Leuven und der Vrije Universiteit Brüssel Ergebnisse veröffentlicht, die zeigten, dass Facebook über Cookies auf Webseiten mit Social Plugins Profile von Menschen anlegt – egal ob sie Facebook-Nutzer sind, eingeloggt oder nicht, egal ob sie Tracking explizit widersprochen haben oder nicht.

NSA wünscht sich Master-Key für verschlüsselte Geräte

Während im Zuge des internationalen Geheimdienst-Überwachungsskandals die Verschlüsselung von Kommunikationsdiensten und Geräten immer mehr in Mode kommt, wünscht die NSA sich einen Master-Key für verschlüsselte Geräte, der unter Herstellern und Behörden aufgeteilt wird. So solle ein missbräuchlicher Einsatz verhindert werden.

Ende der Privatsphäre: Grenzenloses Tracking im Internet

Wer im Netz surft, dem schauen Datensammler und Internetriesen wie Facebook und Google über die Schulter. Aus den durch Tracking gewonnen Daten können nämlich nicht nur Rückschlüsse über Lieblingsfarbe und Schuhgröße gezogen werden. Über Freunde und Freundesfreunde versuchen Programme inzwischen schon, die Kreditwürdigkeit des Nutzers, seine sexuellen Vorlieben und seine politischen Einstellungen festzustellen. Das ist in Deutschland verboten. Doch gemacht wird’s trotzdem.

Facebook = Internet? Wie Facebook Armut zur Goldmine macht

Stell dir vor, du bist auf Facebook und hast keine Ahnung, dass du gerade im Internet surfst. Die Hälfte der Facebook-Nutzer in Nigeria und Indonesien denkt anscheinend genau so. Und Facebook weiß diesen Zustand zu nutzen. Ein Beitrag von Luisa Casci für PULS.

Bei einer Studie in Südostasien fiel Wissenschaftlern 2012 etwas komisches auf: Mehr Menschen gaben an, Facebook zu nutzen als das Internet. Aus dieser Beobachtung entwickelten sie die These, dass diese Leute glauben könnten, Facebook sei nicht Teil des Internets. Jetzt wurde eine weitere Studie in Nigeria und Indonesien durchgeführt – zwar mit insgesamt nur 1000 Teilnehmern, sie bestätigt aber die Theorie und zeigt den deutlichen Trend hin zur fehlenden Verbindung zwischen Facebook und Internet. Die Befragten sind durchschnittlich zwischen 22 und 25 Jahre alt. Facebook ist in diesen Ländern teilweise der einzige Zugang zum Internet. Menschen gehen tatsächlich in einen Handyladen und verlangen Facebook auf ihrem Handy, nicht Internet.

Was bedeutet das für Menschen in Entwicklungsländern?

Dadurch, dass die Nutzer in den betroffenen Ländern so auf Facebook fokussiert sind, lagern Anbieter Werbung und Content fast komplett auf Facebook um. So bekommt Facebook noch viel mehr Einfluss, als es dort ohnehin schon hat. Das Projekt Internet.org, das Mark Zuckerberg mitorganisiert, fördert das nur noch weiter. Es ist zwar eine App, die kostenloses Internet in der Dritten Welt verbreiten soll, aber mit Einschränkungen. Darüber sollen Wikipedia, die Google-Suche, eine App über Frauenrechte, ein Ebola-FAQ, das Wetter und natürlich Facebook verfügbar sein. Sobald man aber auf ein Ergebnis in der Google-Suche klickt, kostet es Geld.

Bauen sich Facebook und Google ein Internetmonopol?

Die Organisation verkauft die App zwar als selbstlosen Dienst an die Armen der Dritten Welt, kritische Stimmen beschweren sich jedoch über die fehlende Netzneutralität. Wenn die Menschen weiterhin nur diese Art von Internetzugang kennen, werden sie auch nur diesen nutzen. Für Mark Zuckerberg ist das eine Goldmine, denn das bedeutet viele weitere Millionen Facebook-Nutzer. Zwei Drittel der Weltbevölkerung haben nämlich bis jetzt noch nicht einmal Zugang zum Internet. Die Internet.org-App kann dieses Problem lösen. Zuckerberg selbst konnte das Projekt nicht ganz selbstlos darstellen und gab zu, dass Internet.org sich in Zukunft für ihn auszahlen könnte. Auf den Philippinen wurde ein Teil von Zuckerbergs Vison schon umgesetzt: Smartphone-User können dort Facebook bereits kostenlos nutzen.

Den Originalartikel und Klicktipps zum Thema finden Sie auf den Seiten von PULS, dem Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks.

Tracking beim Shopping: Im Kaufhaus durchleuchtet

Nicht nur Online-Shops werten uns komplett aus, sondern auch der stationäre Handel versucht an unsere Daten heranzukommen. Dafür werden die WLAN-Zugänge der Smartphones angezapft. Die verraten mehr, als uns Kunden vielleicht lieb ist. Und das ist nicht der einzige Trick.

Shopkick nennt sich eine App, die aus den USA kommt aber auch in deutschen Parfümerien oder Elektromärkte schon eingesetzt wird. Das Programm fürs Smartphone ist ein raffiniertes Rabattsystem. Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat sich Shopkick genau angeschaut:

„Man bekommt Bonuspunkte allein dafür, dass man einen Laden betritt. Und es gibt Zusatzpunkte z.B. wenn man in einem Laden sich bestimmte Produkte ansieht. Also Verbraucher werden ein bisschen gesteuert durch diese Shopkick-App.“ Christian Gollner, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

… und außerdem natürlich ausgespäht, denn das Programm registriert, wohin der Kunde gegangen ist, welche Produkte er gerne kauft und wieviel Geld er ausgibt. Vieles davon kann aber auch ohne die App ausgekundschaftet werden – über die WLAN-Netze der Händler. Wenn das Smartphone nach einer solchen Funkverbindung sucht, gibt es jede Menge Daten preis. Für den Kunden hat das Konsequenzen.

„Es wird ein Profil erstellt zu einem bestimmten Smartphone. Und es gibt mittlerweile im Versuchsstadium Systeme, bei denen wird an einem Regal der Preis verändert, durch veränderbare Preisschilder je nachdem welche Person vor dem Gerät steht.“
Christian Gollner

Wer mehr Geld hat, zahlt also mehr. Dynamik Pricing heißt das im Marketing-Deutsch.

Ein Artikel von Christian Sachsinger, BR-Computerexperte und tätig für die Redaktion Wirtschaft und Soziales beim Bayerischen Rundfunk.

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