Facebook = Internet? Wie Facebook Armut zur Goldmine macht
Stell dir vor, du bist auf Facebook und hast keine Ahnung, dass du gerade im Internet surfst. Die Hälfte der Facebook-Nutzer in Nigeria und Indonesien denkt anscheinend genau so. Und Facebook weiß diesen Zustand zu nutzen. Ein Beitrag von Luisa Casci für PULS.
Bei einer Studie in Südostasien fiel Wissenschaftlern 2012 etwas komisches auf: Mehr Menschen gaben an, Facebook zu nutzen als das Internet. Aus dieser Beobachtung entwickelten sie die These, dass diese Leute glauben könnten, Facebook sei nicht Teil des Internets. Jetzt wurde eine weitere Studie in Nigeria und Indonesien durchgeführt – zwar mit insgesamt nur 1000 Teilnehmern, sie bestätigt aber die Theorie und zeigt den deutlichen Trend hin zur fehlenden Verbindung zwischen Facebook und Internet. Die Befragten sind durchschnittlich zwischen 22 und 25 Jahre alt. Facebook ist in diesen Ländern teilweise der einzige Zugang zum Internet. Menschen gehen tatsächlich in einen Handyladen und verlangen Facebook auf ihrem Handy, nicht Internet.
Was bedeutet das für Menschen in Entwicklungsländern?
Dadurch, dass die Nutzer in den betroffenen Ländern so auf Facebook fokussiert sind, lagern Anbieter Werbung und Content fast komplett auf Facebook um. So bekommt Facebook noch viel mehr Einfluss, als es dort ohnehin schon hat. Das Projekt Internet.org, das Mark Zuckerberg mitorganisiert, fördert das nur noch weiter. Es ist zwar eine App, die kostenloses Internet in der Dritten Welt verbreiten soll, aber mit Einschränkungen. Darüber sollen Wikipedia, die Google-Suche, eine App über Frauenrechte, ein Ebola-FAQ, das Wetter und natürlich Facebook verfügbar sein. Sobald man aber auf ein Ergebnis in der Google-Suche klickt, kostet es Geld.
Bauen sich Facebook und Google ein Internetmonopol?
Die Organisation verkauft die App zwar als selbstlosen Dienst an die Armen der Dritten Welt, kritische Stimmen beschweren sich jedoch über die fehlende Netzneutralität. Wenn die Menschen weiterhin nur diese Art von Internetzugang kennen, werden sie auch nur diesen nutzen. Für Mark Zuckerberg ist das eine Goldmine, denn das bedeutet viele weitere Millionen Facebook-Nutzer. Zwei Drittel der Weltbevölkerung haben nämlich bis jetzt noch nicht einmal Zugang zum Internet. Die Internet.org-App kann dieses Problem lösen. Zuckerberg selbst konnte das Projekt nicht ganz selbstlos darstellen und gab zu, dass Internet.org sich in Zukunft für ihn auszahlen könnte. Auf den Philippinen wurde ein Teil von Zuckerbergs Vison schon umgesetzt: Smartphone-User können dort Facebook bereits kostenlos nutzen.
Den Originalartikel und Klicktipps zum Thema finden Sie auf den Seiten von PULS, dem Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks.




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