Datenschutz

Fitness-Tracking: Was Verbraucher Versicherern über sich verraten

Gewicht, Blutdruck, Herzfrequenz – immer mehr Menschen zeichnen ihre Körperfunktionen regelmäßig auf, mit Fitness-Armbändern oder Smart-Watches. Die Krankenkassen reiben sich die Hände, denn diese Daten lassen Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand ihrer Kunden zu.

Datenschutz plötzlich egal? Jeder Dritte würde Gesundheitsdaten an die Krankenkasse weitergeben

Gut jeder dritte Smartphone-Nutzer (37 Prozent) kann sich vorstellen, diese Daten an die eigene Krankenkasse weiterzuleiten. Bei den Nutzern ab 65 Jahren ist es sogar fast die Hälfte (47 Prozent). Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Digitalverbands BITKOM. Jeder fünfte Befragte (19 Prozent) wünscht sich im Gegenzug zu einer Weiterleitung seiner Daten Versicherungsrabatte, 10 Prozent eine Prämie, zum Beispiel in Form von Geld oder eines Gutscheins. 7 Prozent aller befragten Smartphone-Nutzer würden einer Weiterleitung ihrer Daten ganz ohne Gegenleistung zustimmen. Bei den Nutzern ab 65 Jahren sind es sogar 33 Prozent, die keine Gegenleistung erwarten.

Dass der BND für die NSA im Inland spioniert haben soll, weitet sich zum Skandal aus

Der US-Geheimdienst NSA hat offenbar mit Hilfe des Bundesnachrichtendienstes jahrelang Ziele in Westeuropa und in Deutschland ausgespäht, darunter auch Airbus-Vorgänger EADS. Die SPD sieht Hinweise auf Wirtschaftsspionage durch die USA, die Grünen sprechen von einer neuen Dimension, die Linke sieht Landesverrat und verlangen den Rücktritt des BND-Präsidenten, der Generalbundesanwalt ermittelt und der NSA-Untersuchungsausschuss will die Ermittlungen unterstützen.

Facebook: Der Marktplatz der Eitelkeiten

Wir gehen nicht mehr auf die Straße. Facebook ist das Revier unserer Generation. Trotz massiver Datenschutzverletzungen wenden wir uns ihm zu, wie einem sich unserer Liebe verweigernden Vater. Woher kommt diese Macht, die uns erstarren lässt? Sind wir wirklich so jung und frei, wie wir uns gerne sehen wollen? Von Laura Nunziante (wyme).

Steffi M. liegt am Strand. Neben ihr liegt Lenni. Lennis Windel ist voll, das sehen wir auf dem Bild; er hat einen Pickel auf der Stirn. Beide lächeln in die Kamera, sie schließen die Augen vor dem Sonnenlicht. Dieses Bild ist bezeichnend: Wir alle verschließen die unseren vor der Realität.

Denn real ist nur das, was das Netz verstärkt. Der Uniabschluss? Egal. Es sei denn, ich bekomme dafür 87 Likes. Meine Beziehung? Eure Kommentare formen meine Liebe zu dir. Wenn ich Justin Timberlake auf der Straße treffe und kein Selfie mit ihm poste, habe ich ihn dann wirklich getroffen?

Unsere bürgerliche Existenz wäre bedroht, zögen wir uns digital zurück. Dabei ist es unerheblich, ob unsere Rechte mit Füßen getreten werden: Auf meinem Profilbild sehen meine Brüste groß aus. Das ist zumindest die Logik derer, die nichts zu verbergen haben. Schlimmer noch, sie wollen nichts verbergen. Wie aufregend mein Leben, mein Job, mein Sex ist – in der neuen Welt obliegt dies der Währung der Daumen.

Jedes Jahr an meinem Geburtstag, denke ich nach dem Aufwachen darüber nach, was ich dazu posten werde. Geschenke und Karten fotografiere ich akribischer als die Spurensicherung einen Tatort. Ohne Beweise, keine Täter.
Schon lange vor einer Reise denke ich darüber nach, welche Bilder ich hochlade, um den anderen meine Erfahrung näher zu bringen. Mir selbst ist sie längst abhanden gekommen.

Die anderen. Wer ist das eigentlich? Es sind die Jennys und Pauls, die ich einst betrunken auf Putin vollgelabert habe. Es sind die Grundschulleichen, die ich längst vergraben hatte und jetzt reanimiere, um Bestätigung für meine avantgardistische Nichtigkeit abzugreifen. Ich kenne sie nicht mehr, sie kennen mich nicht mehr. Aber wir brauchen uns doch irgendwie. Die Abwesenheit virtueller Bestätigung wäre unser Untergang. Das weiß auch Steffi M., wenn sie ein solch intimes Foto vom schutzlosen Lenni postet, sichtbar für die ganze Welt. Sein hilfloses Grinsen reicht ihr nicht, um sein Dasein zu begreifen. Erst die Bestätigung ihrer Eitelkeit durch das Like der anderen macht ihn echt.

Die Realität findet zunehmend auf einer Plattform statt, die nicht mal halbwegs clever darüber hinwegtäuschen kann, dass ihr unsere Grundrechte scheißegal sind. Schlimmer noch, die Ausbeutung jener war von Anfang die Begründung seiner Wirtschaftlichkeit. Denn User sind keine Menschen. Wir sind Datenfragmente im Strudel der Zeit und als solche Ressource.

Wir kennen die Wahrheit, doch drehen uns schneller weg als einer, der Zeuge einer Straftat wird. Weil das falsche Ich uns wichtiger ist als die Basis, die unser Zusammenleben begründet. Facebook weiß alles, muss alles wissen. Ohne Facebook gäbe es kein Erleben mehr. Alles Unmittelbare haben wir gegen einen hässlichen, blauen Daumen getauscht. Alles ist holde Eitelkeit, vermarktet und verramscht.

Das digitale Netzwerk erzeugt in uns die Illusion einen individuellen Charakter zu haben, der jedoch von ihr alleine bestimmt wird. Wir vergleichen uns mit Fremden, die uns täglich im Newsfeed begegnen. Aus dem menschlichen Wunsch heraus, dazuzugehören, sind wir bereit unseren Datenschutz und damit unsere Grundrechte bei jedem Login aufs Neue zu verwetten. Und das weiß Facebook nur zu gut.

Und was bleibt? Die Auflehnung? Es wäre der Tod der längst Gehängten.

wymeDieser Beitrag wurde von der wyme-Autorin Laura Nunziante für Do Not Track verfasst. 

Tracking beim Einkaufen: Wie Shopping-Apps unsere Daten ausspionieren

Rabatte, Bonuspunkte, Gutscheine – Einkaufs-Apps locken mit Vergünstigungen. Doch während wir fleißig aufs Smartphone tippen und Barcodes scannen, nutzen die Anbieter unsere Daten für Kundenprofile, die immer detaillierter werden.

Eine klassische Einkaufspassage – und immer wieder meldet sich das Smartphone, zumindest wenn die App „Shopkick“ installiert ist. Das Programm macht so auf spezielle Angebote aufmerksam.

Punkte gegen Daten

Um in bestimmte Läden zu locken, bietet „Shopkick“ Bonuspunkte an, sogenannte Kicks. Die gibt es bei Karstadt und Kaufhof genauso wie bei Netto und Penny, den Modeketten H&M, Esprit und Zara, bei OBI, Media Markt und Saturn. Beim jedem Gang durch die jeweilige Ladentüre landen Punkte auf dem Konto. Will man die Punkte behalten und irgendwann gegen einen Shoppinggutschein eintauschen, braucht man ein „Shopkick“-Konto. Dabei muss man seine E-Mail Adresse angeben oder den Facebook-Account verraten. Die App als eine Art Kundenkarte will den Nutzer kennen lernen. Die Datenschutzverwendungsrichtlinie der App ist daher auch gezielt darauf abgestimmt, Daten zu sammeln. Mit denen ist vieles möglich. Etwa mit der angewendeten Funk-Technologie genaue Bewegungsprofile erstellen. Also feststellen, in welchen Läden ist der Nutzer gewesen, an welchen Regalen ist er vorbeigegangen und wo ist er besonders lange stehen geblieben. Über die Kombination mit einer Zahlungsfunktion – also Handy hinhalten, Betrag wird vom Konto abgebucht – könnte „Shopkick“ alle Einkäufe einer Person genau aufzeichnen und auswerten.

Shopkick – Erfolgsstory aus den USA

Bislang haben die Shopkick-App gut eine Million Nutzer in Deutschland herunter geladen, in gerade mal einem knappen halben Jahr. In den USA ist das Programm ein Renner; und zwar bei Kunden und bei Ladenbesitzern gleichermaßen. Die Nutzer stören sich offenbar nicht daran, dass sie die App auf Schritt und Tritt verfolgt, ihr Verhalten aufzeichnet und sie außerdem manipuliert. „Shopkick“ berichtet selbst, dass Konsumenten zwischen 50 und 100 Prozent mehr Geld in Läden ausgeben würden, wenn die App auf dem Smartphone läuft. „Shopkick“ wiederum profitiert von den willigen Klienten, denn je mehr Bonuspunkte die im jeweiligen Laden erreichen, umso mehr muss der Händler dort für das Programm bezahlen.

Den Originalartikel finden Sie im Bayern 2-Notizbuch auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks.

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