Verstecken kann sich niemand mehr

Facebook sammelt nicht nur Daten seiner Mitglieder, sondern aller, die das Internet nutzen. Das Netzwerk erkennt jeden Einzelnen und verkauft uns an die Werbung. Was ist der nächste Schritt? Ein Beitrag von Wolfie Christl.

Charakter, politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Risikoverhalten – all das offenbart ein Facebook-Profil, selbst wenn wir diese Informationen nicht bewusst teilen. Studien haben gezeigt, dass sich allein aus unseren Likes viele Schlussfolgerungen ziehen lassen. Doch was macht Facebook selbst mit den Daten? Das Unternehmen öffnet seinen Datenschatz für Firmen in allen Wirtschaftsbereichen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Datenhändlern sollen wir jederzeit eindeutig wiedererkannt werden – gleich, mit welchem digitalen Gerät wir unterwegs sind, zu Hause, bei der Arbeit oder an der Supermarktkasse.

Facebook verfügt über gewaltige Mengen an Informationen über Alltag und Verhaltensweisen seiner 1,4 Milliarden Nutzer. Inklusive Instagram und Whatsapp werden inzwischen Daten von 2,4 Milliarden Menschen erfasst. Die Daten gehen nicht nur aus der Nutzung der Online-Plattform oder der Smartphone-Apps hervor, auch das Surfverhalten auf anderen Websites wird erfasst. Dafür reicht es, wenn auf einer Website ein Like-Button oder eine Login-Funktion via Facebook eingeblendet wird – schon kann das Netzwerk verfolgen, wer auf dieser Seite gerade was macht.

Das Ergebnis: Kaum ein Unternehmen auf dem Globus kennt uns besser als Facebook. Das gilt nicht nur für die Mitglieder, sondern für potentiell alle Nutzer. Über den Zugriff auf die Adressbücher unserer „Freunde“ werden E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Menschen gesammelt, die gar nicht bei Facebook sind. Die daraus resultierenden Daten sind eine Goldgrube. Denn mit diesem Wissen kann Facebook ziemlich treffsicher personalisierte Werbung anbieten. Unternehmen können gezielt Anzeigen schalten. Sie können aber auch ihre kompletten Kundendatenbanken mit einem Klick an Facebook schicken. Über die E-Mail-Adressen oder Telefonnummern werden einzelne Nutzer erkannt, um gezielt nur für sie Werbung anzubieten. Ein ziemlich lukratives Geschäft – 2014 machte Facebook einen Umsatz von rund 12,5 Milliarden Dollar.

Daten über nahezu jeden deutschen Haushalt

Und trotzdem ist man bei Facebook unzufrieden. Nur ein kleiner Teil der Daten wurde bisher zu Geld gemacht, nur ein Bruchteil des Potentials erschlossen. Seit rund zwei Jahren arbeitet Facebook daran, die gesammelten Daten zu Geld zu machen. Facebook kooperiert mit Datenhändlern wie Acxiom, Epsilon, Datalogix oder Bluekai. Acxiom ist erfahren im Geschäft mit Konsumentendaten. Es betreut die Kundendatenbanken von 15000 Unternehmen und verfügt über Dossiers mit bis zu 3000 einzelnen Eigenschaften von etwa 700 Millionen Menschen – von Einkommen über Gesundheitsinteressen bis zum Wahlverhalten. Dabei wird nicht nur die amerikanische Bevölkerung abgedeckt, auch über nahezu jeden deutschen Haushalt liegen Profildaten vor. Die Firma Datalogix greift auf Daten aus Einkäufen über ein Volumen von zwei Billionen Dollar zu.

Hier treffen Online- und Offline-Welt aufeinander. Firmen können Werbung auf Facebook schalten, die genau zu dem passt, was jemand gerade gekauft hat. Umgekehrt soll es möglich sein, jemanden beim Einkauf im Geschäft als denjenigen zu erkennen, der zuvor auf eine bestimmte Online-Anzeige reagiert hat. Durch diese Verknüpfung können Menschen fast rund um die Uhr überwacht werden, egal, was sie gerade machen.

Ein Code, der für jede Person eindeutig ist

Doch es gibt einige Hürden: Damit Firmen wie Facebook und Acxiom ihre Daten verknüpfen können, müssen die Nutzer immer wieder eindeutig identifiziert werden. Nur wenn beide Parteien wissen, um welche Person es geht, sind die Daten richtig zuzuordnen. Offiziell erfolgt die Verknüpfung anonymisiert. Doch kommen hier die E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Nutzer – und die ihrer Freunde und Freundesfreunde – ins Spiel. Natürlich werden sie nicht direkt ausgetauscht. Man hat sich auf eine allen beteiligten Unternehmen bekannte Anonymisierungsmethode geeinigt. E-Mail-Adressen und Telefonnummern werden zu Zahlen- und Zifferncodes. Das Ergebnis: kein Name, keine Adresse, sondern ein sogenannter „Hash-Wert“. Alle anderen Daten können unverändert bleiben.

Werden auf diese Weise scheinbar anonymisierte Datensätze ausgetauscht, genügt es, wenn eine der beteiligten Firmen ebenfalls die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer einer Person kennt, und schon wird man erkannt. Der Hash-Wert kann leicht berechnet und mit dem erhaltenen Wert abgeglichen werden. Volltreffer! Die Hash-Werte werden immer auf die gleiche Weise von E-Mail-Adresse oder Telefonnummer abgeleitet und ergeben immer das gleiche Ergebnis: ein Code, der für jede Person eindeutig ist – und über den jeder, trotz vermeintlicher Anonymisierung, eben doch jederzeit zugeordnet werden kann.

Eine kontinuierliche Kette an Hinweisen

Bisher wurden die Nutzer online vor allem mit Hilfe sogenannter Cookies verfolgt. Das sind kleine Dateien, die meist ohne Wissen des Nutzers auf dessen Computer gespeichert werden. Sie enthalten einen Code, mit dem die Nutzer beim nächsten Besuch identifiziert werden können. Das funktioniert aber nur, wenn die Nutzer immer denselben Computer und denselben Browser verwenden. Sobald sie den Computer wechseln oder wenn ein Computer von mehreren Personen genutzt wird, kommen die Cookies durcheinander. Und was ist mit Smartphones und Tablets? Da lassen die Cookies Facebook und andere Datenhändler fast ganz im Stich.

Helfen soll die Firma Atlas, die Facebook 2013 von Microsoft gekauft hat und seither für die eigenen Zwecke umbaut. Atlas ist zwar eine Tochterfirma, hat laut Facebook-Nutzungsbedingungen aber vollen Zugriff auf die Daten der rund 1,4 Milliarden Nutzer. Atlas soll nun ermöglichen, einzelne Personen in allen denkbaren Situationen eindeutig wiederzuerkennen – im Idealfall sogar dann, wenn die Nutzer andere Geräte wie ein Fitnessarmband, das Navigationsgerät im Auto oder einen „intelligenten“ Fernseher verwenden und wenn sie im Geschäft einkaufen. Und nicht nur dann, wenn sie gerade Facebook nutzen oder eine Seite besuchen, die einen Like-Button eingebaut hat, sondern auch im restlichen Netz.

Dabei wird mit verschiedenen technischen Tricks versucht, die Spur der Nutzer weiterzuverfolgen. Um sie nicht zu verlieren, wird eine kontinuierliche Kette an Hinweisen gelegt, die die Wiedererkennbarkeit auch dann sicherstellt, wenn die Nutzer auf Websites unterwegs sind, die keinen Like-Button von Facebook haben.

Mehr als die Hälfte der Zeit wird getrackt

Dreh- und Angelpunkt bei dieser Schnitzeljagd durchs Netz ist der Benutzeraccount. Jeder Facebook-Nutzer hat eine Nummer, und diese Nummer kennt auch Atlas, weil sie Facebook in das Atlas-Cookie hineinschreibt. Wenn Atlas nun auf einer von Facebook unabhängigen Website Werbung schaltet und der Nutzer diese besucht, holt sich Atlas diese Nummer aus dem Atlas-Cookie und kann ihn sofort als Facebook-Nutzer wiedererkennen. Ähnlich auf dem Smartphone: Dort gibt es zwar keine Cookies, dafür hat jedes Gerät eine Identifikationsnummer. Sobald sich jemand bei Facebook einloggt, wird die Nummer des Geräts mit dem Facebook-Account synchronisiert. Dadurch bekommt Atlas auch Aktivitäten außerhalb der eigenen Apps mit. Facebook behauptet, mit Hilfe dieser Technologie im Schnitt mehr als die Hälfte der Zeit tracken zu können, die die Nutzer heute mit ihrem Smartphone verbringen.

So wird durch die geschickte Kombination von Cookies, Identifikationsnummern von Geräten und Facebook-Accounts eine Nachverfolgung möglich, die browser-, geräte- und plattformübergreifend funktioniert. Aber wie wird der Einkauf im Geschäft mit dem Profil verknüpft? Kein Problem, solange an der Kasse eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer hinterlassen wird – wenn etwa mit einer Kunden- oder Bonuskarte bezahlt wird.

Ein weltweites Netzwerk an Datensammlern

Das Ende der Möglichkeiten ist noch lange nicht erreicht. Atlas kündigt fast wöchentlich neue Kooperationspartner an, vor kurzem wurde etwa eine Zusammenarbeit mit der Firma Merkle bekanntgegeben. Dieses Unternehmen verwaltet fast vier Milliarden Kundendatensätze. Zwei der vier großen Datenhandelsunternehmen – BlueKai und Datalogix –, mit denen Facebook zusammenarbeitet, gehören inzwischen zum IT-Konzern Oracle, einem der größten Hersteller von Datenbanken und von Software, mit denen Unternehmen ihre Kundendaten verwalten.

So entsteht ein weltweites Netzwerk an Datensammlern, dem wir fast nicht mehr entkommen können. Ob online oder offline, ob mit dem Computer oder dem Smartphone, ob Studentin oder Rentner – Facebook weiß, was wir machen, und macht dieses Wissen zu Geld. Und ob es nur bei personalisierter Werbung bleibt?

Wolfie Christl ist Datenhandelsexperte und recherchiert für die Web-Doku-Reihe Do Not Track. Das Projekt vom Bayerischen Rundfunk, Arte, National Film Board of Canada und Upian gibt Nutzern unter www.donottrack-doc.de die Möglichkeit, anhand ihrer Daten zu prüfen, wer sie im Internet überwacht. An diesem Dienstag wird die Episode zum Thema Facebook veröffentlicht. Den Originalartikel finden Sie bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

BND, NSA, Google, Facebook…: Mach dich nackt

Die Geheimdienste sprichwörtlich außer Kontrolle – Google, Facebook & Co als verlängerte Volks-Personenregister. Mit Gesetzen wie der Bestands- und Vorratsdatenspeicherung sind Industrie und Regierung ein gefährliches Public-Private-Partnership eingegegangen, um Kunden und Bürger rund um die Uhr zu überwachen. Noch ist es nicht zu spät, die Hoheit über unsere Daten zurück zu bekommen. Ein Beitrag von Richard Gutjahr.

Haltung zeigen

Als Journalist soll man sich nicht gemein machen mit einer Sache, heisst es, und sei sie auch noch so gut. Was aber, wenn eine Sache so zum Himmel stinkt ist, dass man nicht länger seine Augen davor verschließen kann? Ich bin der Meinung, man sollte Stellung beziehen. Haltung zeigen. Nicht nur als Journalist.

Ein hoher Preis

Datenschutz? Kann man das essen? Ich weiß, dass Datenschutz so unsexy ist, wie nur irgendwas. Talkshows und Zeitungen meiden das Thema wo es nur geht, weil Quoten und Auflagen erfahrungsgemäß jedes Mal ein Desaster sind. Und doch – solltet Ihr nicht schon hier aufgehört haben, zu lesen – bitte ich Euch: bleibt bei mir!

Datenschutz betrifft uns auf Arten, wie wir uns das heute noch gar nicht vozurstellen vermögen. Auch ich habe geglaubt, schon alles gesehen zu haben. Doch wenn man sich die Entwicklungen der letzten Wochen, Monate und Jahre vor Augen führt, habe ich die Sorge, dass wir eines Tages einen bitteren Preis für unsere Lethargie bezahlen werden.

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I love data!

Nicht falsch verstehen: Ich liebe meine Tech-Toys. Ich verlasse nie das Haus ohne iPhone, iPad oder MacBook. Ich habe mir sogar die Apple Watch bestellt, Apple-Sprech: „our most personal device ever“. Ich habe auch nichts gegen Big Data. Auf dieser, meiner eigenen Webseite sind vier Tracker aktiv, damit mein Blog via Google, Facebook & Co besser gefunden wird und damit ich eine Vorstellung habe, wieviele Menschen mein Blog so abrufen.

Worum es mir geht, ist nicht die Datenerhebung an sich. Daten sind nicht böse, sind per se nicht gut oder schlecht. Daten können für fantastische Dinge genutzt werden, ich bin überzeugt: Daten bringen unsere Gesellschaft weiter, man verfolge allein die Projekte, die Open Data City anstößt (Offenlegung: Ich habe gemeinsam mit ODC an Plattformen wie LobbyPlag gearbeitet).

EnterLobbyPlag

 

Die Frage, die wir uns stellen sollten, lautet: Wer soll über unsere gesammelten Daten bestimmen: Konzerne? Staatliche Behörden? Oder nicht doch lieber wir selbst?

Facebook kann dazu dienen, Regime zu stürzen. Facebook kann aber auch dazu benutzt werden, Oppositionelle ausfindig zu machen und zu neutralisieren, bevor diese gefährlich werden können. Dazu muss ein Machthaber gar nicht so weit gehen, politische Unruhestifter ins Gefängnis zu stecken oder umzubringen. In den meisten Fällen genügt es, Systemkritiker von Bildung oder Machtpositionen fernzuhalten. Die DDR war hierfür ein exzellentes Beispiel.

In seiner extremsten Form können Daten über Leben und Tod entscheiden. Metadaten dienen im Drohnenkrieg als Grundlage für die Ermittlung von Raketenzielen. Nicht selten sterben durch fehlerhafte oder falsch interpretierte Daten auch unbeteiligte Zivilisten („Kollateralschäden“). Kriege, die nicht irgendwo im fernen Afghanistan stattfinden, sondern die über den Netzknotenpunkt in Frankfurt sowie Militäreinrichtungen in Deutschland geführt werden.

Deutsche Verteidigungsminister haben einen Sport daraus gemacht, sich bei Truppenbesuchen in Kabul in Heldenpose ablichten zu lassen. Die Wahrheit ist: Unsere Freiheit wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern im Netz. Und manchmal wird sie dort auch begraben.

Als Begründung für die immer tieferen Eingriffe in unsere Grundrechte wird gerne die Terrorbekämpfung bzw. Schwerstkriminalität genannt. Dass die sog. „Antiterrorgesetze“ später in der Praxis überwiegend fürganz andere Zwecke benutzt werden, wird verschwiegen. Eine Kontrolle darüber, wer, wann, wie oft auf unsere Verbindungsdaten zugreift, findet nicht statt.

Unsere Datenprofile können uns aber auch auf ganz andere Art gegen uns verwendet werden. Mit der ReiheDo Not Track ist es dem kanadischen Regisseur Brett Gaylor gelungen, spielerisch zu zeigen, wie Facebook-Profile heute bereits dazu genutzt werden, um unsere Kreditwürdigkeit einzustufen oder Krankenkassentarife zu ermitteln.

 Illuminus

In der neuesten Episode könnt Ihr selbst ausprobieren, wie es um Eure Kreditwürdigkeit steht – Spoiler-Alert: Laut Facebook gehöre ich aufgrund meiner Extrovertiertheit zur höchsten Risikogruppe und würde daher kein Geld von der Bank bekommen. Der zugrundeliegende Algorithmus basiert übrigens auf Forschungsergebnissen aus Stanford. Testet selbst.

In den Medien sonnt sich die Regierung mit dem strengen Datenschutz, den wir in Deutschland haben. Hinter den Kulissen jedoch sorgt gerade der deutsche Innenminister dafür, dass die EU-Datenschutzverordnung in Brüssel  in Brüssel durchlöchert wird wie ein Sieb.

Dass private Konzerne ungestraft geltendes Recht brechen können und unbegrenzt Daten sammeln können, auf die der Staat dann später durch entsprechende Gesetze zugreifen kann, scheint System zu haben. Der laufende NSA-Untersuchungsausschuss macht immer deutlicher, wie die Kotau zwischen IT-Wirtschaft und Behörden funktioniert. So haben wir beispielsweise gelernt, dass Firmen wie die Deutsche Telekom sogar Geld dafür bekommen, dass sie heimlich E-Mails, Textnachrichten und sonstige Internetverbindungen spiegeln und zur Auswertung an den BND nach Bad Aibling weiterleiten.

steinbrueck_BND

Auch die Weitergabe der sog. Bestandsdaten erfolgt völlig automatisiert, ohne dass ein Richter oder sonst jemand überprüft, wer auf unsere E-Mail-, Telefondaten oder Passwörter zugreift. Im Schnitt erfolgt in der Bundesrepublik alle 1,2 Sekunden ein Abruf durch eine von rund 250 Behörden (Quelle: Bundesnetzagentur).

Der Freiburger Historiker Josef Foschepoth erklärt, wie es dazu gekommen ist, dass das Grundrecht des Post- und Telekommunikationsgeheimnisses in der Bundesrepublik ausgehebelt wurde und dass sich Geheimdienste de facto unkontrolliert zu einem Staat im Staate entwickeln konnten.

 Die parlamentarischen Kontrollgremien (die G10-Kommission, die über das Post- und Telekommunikationsgeheimnis wacht, besteht aus gerade mal 4 Mitgliedern) hat gar nicht die Mittel, die Angaben der Geheimdienste zu überprüfen. Vermutlich werden Kanzlerin und ihre Minister über konkrete Rechtsverstöße gar nicht erst informiert. Nur so können sie später gemäß Amtseid, den sie ja abgelegt haben, behaupten, von nichts gewusst zu haben.

Warum geht das Volk nicht auf die Barrikaden? Der ehemalige Verfassungsrichter und Präsident des Bundesverfassungsgericht, Hans-Jürgen Papier, erklärt sich die Lethargie des Volks durch die fehlende unmittelbare Betroffenheit. „Wenn Sie einen Strafzettel bekommen, dann spüren sie das. Die heimliche Überwachung hingegen fällt zunächst gar nicht auf.“ Welche Gefahren des Missbrauchs von der Datensammelei ausgehen, werde daher nicht erkannt.

Daten sind Macht

Wer Daten besitzt, hat Macht gegenüber demjenigen, der sie nicht besitzt. In dem Moment, in dem ich etwas über mein Gegenüber weiß, was ich vielleicht gar nicht wissen sollte, entsteht eine Machtverschiebung zu meinen Gunsten. Noch mächtiger bin ich, wenn mein Gegenüber gar nicht weiß, was ich alles über ihn weiß. Ich habe dann die Macht, mir zu überlegen, ob und wie ich dieses Wissen für mich nutze.

Noch spüren wir keine Auswirkungen. Deutschland ist wirtschaftlich stark, die Regierung stabil, die Pressefreiheit intakt. Doch wer sagt, dass das für immer so bleiben muss. Was würde geschehen, wenn wir eines Tages nicht mehr so gut dastehen? Wenn Arbeitslosigkeit und andere ökonomische Umstände uns eine Regierung beschert, die weniger Skrupel hat, die über Jahre angesammelten Daten gegen das eigene Volk einzusetzen?

Gerade wir Deutsche sollten es besser wissen.

Den Originalartikel finden Sie im Blog von Journalist Richard Gutjahr.

So geht es ganz einfach: Wie lösche ich meinen Facebook-Account?

Alle Jahre wieder verschärft Facebook seine Geschäftsbedingungen. Langsam wird es Ihnen zu bunt? Sie wollen nicht mehr? Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihr Facebook-Konto endgültig löschen. 

1. Loggen Sie sich mit Ihrem Passwort ganz normal ein.

facebook-account-loeschen-102~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f11352. Über zahlreiche (nicht immer eindeutige) Menü- und Untermenüpunkte gelangen Sie zu der Seite „Mein Konto löschen“. Schneller geht’s, wenn Sie einfach auf diesen Link klicken: https://www.facebook.com/help/delete_account

3. Bestätigen Sie mit der Eingabe Ihres Passwortes und eines Captchas, dass Sie Ihren Facebook-Account endgültig löschen.

facebook-account-loeschen-104~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f11354. Als Bestätigung bekommen Sie noch eine Bestätigung per E-Mail von Facebook, dass Sie Ihr Konto jetzt zur „Löschung vorgesehen haben“. Das bedeutet: Wenn Sie sich innerhalb der nächsten zwei Wochen nicht mehr in Ihr Konto einloggen, wird es gelöscht. Wenn Sie sich allerdings nochmal wieder anmelden, dann ist Ihr „Lösch-Antrag“ wirkungslos.

5. Nach zwei Wochen wird Ihr Facebook-Account dann endgültig gelöscht. Welche Daten dann allerdings noch auf den Facebook-Servern liegen (bleiben), weiß natürlich niemand.

Den Originalartikel und Klicktipps zum Thema finden Sie auf den Seiten von Bayern 3 des Bayerischen Rundfunks.

BR

Plattform OpenSNP: Facebook der Gene

Wer klug ist, schützt seine Daten – das trichtern uns Experten ein. Nutzer von OpenSNP sehen das offenbar anders. Auf der Webseite veröffentlichen Menschen Teile ihres genetischen Codes. Ein Beitrag von Frank Seibert für PULS.

Sophie Sonnenschein oder Max Muster – für viele User im Netz ist es schon krass, wenn sie auf Plattformen den Klarnamen, Handynummer oder Wohnort angeben sollen. Gerade nach der Diskussion um Vorratsdatenspeicherung oder den Snowden-Enthüllungen sind wir sensibilisiert, was den Schutz unserer Informationen angeht. Es gibt aber auch Menschen, die das alles offenbar kalt lässt. Sie wollen das allerintimste mit der ganzen Welt teilen: ihr Erbgut. Das Werkzeug für diesen Gen-Stiptease heißt OpenSNP.

Bastian Greshake, 29 Jahre alt und selbst Biologe, hat das Projekt gegründet.

„Es ist eine Plattform, die Leuten erlaubt, ihre Daten der Allgemeinheit zu überschreiben und zu sagen: Hey, hier sind diese Daten, macht damit was ihr wollt.“

Entstanden ist sie vor vier Jahren. Da hat Bastian sein Erbgut checken lassen. Aus reiner Neugier, sagt er.

Die Gene legen nicht nur fest, ob eine Person blaue oder grüne Augen hat – sondern auch, ob die Wahrscheinlichkeit hoch ist, im Alter Parkinson zu bekommen. Bei Bastian war das Ergebnis eher entspannend: „Ich habe kein erhöhtes Alzheimer- und Parkinsonrisko.“ Aber die Daten lassen auch einen Rückschluss zu, der Bastian zu denken gibt: In seiner Familie gibt ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs. Bastians Vater geht daraufhin zu einem Arzt – und tatsächlich, bei ihm wird ein Tumor entdeckt und sofort entfernt.

Ein Social-Network für Gendaten

Für Bastian steht fest: er will seine Gen-Daten nicht für sich behalten. Vielleicht, so denkt er, können sie noch anderen nützlich sein. Oder vielleicht lassen sich irgendwann Zusammenhänge finden, Medikamente oder Vorsorgeuntersuchungen entwickeln. Er forscht im Netz, doch findet nur wenige Menschen, die ihre SNPs veröffentlicht haben. Eine Datenbank gibt es nicht. Deshalb gründet er mit einem Freund selbst eine Plattform – „als Hobby“. Und dann die Überraschung: Innerhalb weniger Wochen präsentieren wirklich einige Menschen ihre Gene über OpenSNP.

NP steht für „Single Nucleotide Polymorphism“ und wird einfach „Snip“ gesprochen. SNPs sind kleine Auszüge aus unserer DNA. OpenSNP soll nicht nur Gene zur Schau stellen, es soll auch eine Plattform sein, auf der Leute ihre Gen-Varianten selbst vergleichen und dann miteinander in Kontakt treten können. Wer hat vielleicht ähnliche Symptome wie ich? Sind da Krankheiten bekannt? Weil der Buchstabensalat auch Informationen über die Familie enthält, hat Bastian die Veröffentlichung vorher mit den Eltern abgesprochen. „Aber die hatten nichts dagegen“, sagt er.

Wer die Menschen sind, die bei OpenSNP ein Profil anlegen, weiß Bastian nicht. Bald will er eine Umfrage machen, um das herauszufinden. Manche User laden ihre Daten unter Pseudonymen hoch, andere mit Klarnamen und Foto. Einige kombinieren die SNPs auch mit körperlichen Eigenschaften, wie der Augenfarbe, Hinweise zur Ernährung oder bestimmten Symptomen. Bis heute haben etwa 1700 Leute ihre Gene veröffentlicht. Damit ist die Datenbank so groß, dass sie auch für Wissenschaftler interessant ist.

Gen-Studien sind mit OpenSNP viel billiger

Zum Beispiel für Ulrich Genick von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er möchte OpenSNP jetzt für eine Studie benutzen. Er will herausfinden, welche Gene Einfluss auf Geruch und Geschmack haben. Ein Beispiel: Wenn man Spargel isst, produziert der Körper einen Stoff im Urin. Den können aber nicht alle Menschen riechen. „Es gibt eine ganze Reihe von Substanzen von denen bekannt ist, dass sie unterschiedlich wahrgenommen werden. Aber es ist nicht bekannt, welche genetische Variation diese Unterschiede hervorruft.“

Studien mit Gendaten sind normalerweise extrem teuer, der Aufwand ist riesig. Da müssen tausende Probanden gefunden werden, deren Gene erst einmal analysiert werden müssen. Eine Studie, wie Genick sie vorhat, kostet deshalb eigentlich um die zwei Millionen Euro. Anders mit OpenSNP. Weil es die Daten schon gibt – und nur Fragebögen an die User verschickt werden müssen – kostet die Studie wohl nur 10.000 bis 20.000 Euro.

Die Sache mit der Datensicherheit

Obwohl sich mit der Genanalyse Krankheiten erkennen lassen, würde auch OpenSNP-Gründer Bastian nicht jedem empfehlen, seine DNA überprüfen zu lassen. Man müsse mit dem Ergebnis klar kommen, sagt er. Außerdem gibt es zwar ein paar Krankheiten, bei denen man mit Gentests kategorisch ausschließen kann, ob man sie bekommt oder nicht. Normalerweise geht es aber um Wahrscheinlichkeiten. „Man muss einschätzen können, was diese Zahlen wirklich bedeuten.“ Für ihn war der Test eine gute Sache – er nimmt die Vorsorge jetzt viel ernster als vorher.

Bedenken gibt es auch noch von einer anderen Seite: Was, wenn die Krankenkasse die Daten in die Hände bekommt und einen wegen des hohen Krebsrisikos rauswirft? Oder der Arbeitgeber? Auch für den Staat könnten die Daten theoretisch nützlich sein – beispielsweise für die Strafverfolgung. All die möglichen Auswirkungen stehen auch in den Nutzungsbedingungen der Plattform, die sich die User vor der Anmeldung durchlesen müssen. Bastian glaubt, dass die Nutzer die Risiken gut einschätzen können. Gerade durch die Drohkulisse, die die Medien aufgebaut hätten.

OpenSNP-Nutzer sind die Basejumper der Gesundheitsdaten

Wie OpenSNP-Gründer Bastian, glaubt auch Biologe Genick, dass die Leute wissen, was sie da tun. Die Nutzungsbedingungen der Plattform seien ausreichend einschüchternd. Wer da zustimme, der sei sich des Risikos bewusst.

„Man kann ja auch Nackfotos von sich ins Internet stellen. Das ist auch nicht unbedingt empfehlenswert. OpenSNP ist so ein bisschen wie Extremsport – das sind die Basejumper der persönlichen Gesundheitsdaten.

Bevor seine Studie startet, muss die Ethikkommission noch ihr OK geben. Das Problem: Eine vergleichbare Studie gab es bisher nicht. Und deshalb passen die festgelegten Regeln nicht. „Das ist so als würde man ein Elektroauto zur Abgassonderuntersuchung schicken.“Denn eigentlich dürften die meisten Mitglieder der Plattform ihre Daten nicht mal besitzen: Gen-Tests sind in Deutschland streng reguliert und nur erlaubt, wenn es einen medizinischen Grund gibt. Deshalb schicken viele der User ihre Speichelprobe zur Analyse über 9000 Kilometer in die USA.

Genick wünscht sich, dass seine Studie auch dazu führt, dass jetzt diskutiert wird, wie wir in Zukunft mit privaten Gendaten umgehen wollen und sinnvollere Kriterien finden, wie solche Projekte beurteilt werden sollen. Vielleicht wird Bastians kleine Gendatenbank dann bald noch mehr Leuten nutzen, als nur seinem Vater.

Den Originalartikel und zahlreiche Klicktipps zum Thema finden Sie auf den Seiten von PULS, dem Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks.

Facebook: Der Marktplatz der Eitelkeiten

Wir gehen nicht mehr auf die Straße. Facebook ist das Revier unserer Generation. Trotz massiver Datenschutzverletzungen wenden wir uns ihm zu, wie einem sich unserer Liebe verweigernden Vater. Woher kommt diese Macht, die uns erstarren lässt? Sind wir wirklich so jung und frei, wie wir uns gerne sehen wollen? Von Laura Nunziante (wyme).

Steffi M. liegt am Strand. Neben ihr liegt Lenni. Lennis Windel ist voll, das sehen wir auf dem Bild; er hat einen Pickel auf der Stirn. Beide lächeln in die Kamera, sie schließen die Augen vor dem Sonnenlicht. Dieses Bild ist bezeichnend: Wir alle verschließen die unseren vor der Realität.

Denn real ist nur das, was das Netz verstärkt. Der Uniabschluss? Egal. Es sei denn, ich bekomme dafür 87 Likes. Meine Beziehung? Eure Kommentare formen meine Liebe zu dir. Wenn ich Justin Timberlake auf der Straße treffe und kein Selfie mit ihm poste, habe ich ihn dann wirklich getroffen?

Unsere bürgerliche Existenz wäre bedroht, zögen wir uns digital zurück. Dabei ist es unerheblich, ob unsere Rechte mit Füßen getreten werden: Auf meinem Profilbild sehen meine Brüste groß aus. Das ist zumindest die Logik derer, die nichts zu verbergen haben. Schlimmer noch, sie wollen nichts verbergen. Wie aufregend mein Leben, mein Job, mein Sex ist – in der neuen Welt obliegt dies der Währung der Daumen.

Jedes Jahr an meinem Geburtstag, denke ich nach dem Aufwachen darüber nach, was ich dazu posten werde. Geschenke und Karten fotografiere ich akribischer als die Spurensicherung einen Tatort. Ohne Beweise, keine Täter.
Schon lange vor einer Reise denke ich darüber nach, welche Bilder ich hochlade, um den anderen meine Erfahrung näher zu bringen. Mir selbst ist sie längst abhanden gekommen.

Die anderen. Wer ist das eigentlich? Es sind die Jennys und Pauls, die ich einst betrunken auf Putin vollgelabert habe. Es sind die Grundschulleichen, die ich längst vergraben hatte und jetzt reanimiere, um Bestätigung für meine avantgardistische Nichtigkeit abzugreifen. Ich kenne sie nicht mehr, sie kennen mich nicht mehr. Aber wir brauchen uns doch irgendwie. Die Abwesenheit virtueller Bestätigung wäre unser Untergang. Das weiß auch Steffi M., wenn sie ein solch intimes Foto vom schutzlosen Lenni postet, sichtbar für die ganze Welt. Sein hilfloses Grinsen reicht ihr nicht, um sein Dasein zu begreifen. Erst die Bestätigung ihrer Eitelkeit durch das Like der anderen macht ihn echt.

Die Realität findet zunehmend auf einer Plattform statt, die nicht mal halbwegs clever darüber hinwegtäuschen kann, dass ihr unsere Grundrechte scheißegal sind. Schlimmer noch, die Ausbeutung jener war von Anfang die Begründung seiner Wirtschaftlichkeit. Denn User sind keine Menschen. Wir sind Datenfragmente im Strudel der Zeit und als solche Ressource.

Wir kennen die Wahrheit, doch drehen uns schneller weg als einer, der Zeuge einer Straftat wird. Weil das falsche Ich uns wichtiger ist als die Basis, die unser Zusammenleben begründet. Facebook weiß alles, muss alles wissen. Ohne Facebook gäbe es kein Erleben mehr. Alles Unmittelbare haben wir gegen einen hässlichen, blauen Daumen getauscht. Alles ist holde Eitelkeit, vermarktet und verramscht.

Das digitale Netzwerk erzeugt in uns die Illusion einen individuellen Charakter zu haben, der jedoch von ihr alleine bestimmt wird. Wir vergleichen uns mit Fremden, die uns täglich im Newsfeed begegnen. Aus dem menschlichen Wunsch heraus, dazuzugehören, sind wir bereit unseren Datenschutz und damit unsere Grundrechte bei jedem Login aufs Neue zu verwetten. Und das weiß Facebook nur zu gut.

Und was bleibt? Die Auflehnung? Es wäre der Tod der längst Gehängten.

wymeDieser Beitrag wurde von der wyme-Autorin Laura Nunziante für Do Not Track verfasst. 

Datenschutz im Internet: Gut gerüstet gegen Datenklau

Nachrichtensuche bei Google, Urlaubsbilder auf Facebook oder Bücher-Stöbern bei Amazon: Überall im Internet hinterlassen wir digitale Spuren. Nicht nur die Geheimdienste lesen dort mit, auch Hacker und Werbeindustrie interessieren sich für unsere Daten. Wo Gefahren drohen, welche Maßnahmen zum Schutz der Daten wichtig sind und welche Alternativen es zu den Datenkraken gibt.

Kreditscoring: Bonitätsprüfung durch Facebook, Ebay & Co

Hochsensibel sind persönliche Daten und sollten eigentlich auch genauso behandelt werden. Doch im Zeitalter des Internets, der mobilen Daten und des GPS-Trackings scheint Datenschutz trotz seiner Bedeutung nur noch zum Feigenblatt zu werden – mit dramatischen Folgen für den privaten Finanzalltag.

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