Whistleblowerin Annie Machon „Die deutschen Geheimdienste betteln offenbar darum, der NSA Informationen liefern zu dürfen“

Annie Machon war eine Whistleblowerin, bevor der Begriff fast schon Teil der Popkultur wurde. Nach sechs Jahren beim britischen Geheimdienst MI5 konnte sie es nicht mehr mitansehen, wie der MI5 Minister ausspioniert, Telefone illegal abgehört und die Regierung belogen hat. Wir haben sie auf der re:publica in Berlin getroffen.

Tracking beim Einkaufen: Wie Shopping-Apps unsere Daten ausspionieren

Rabatte, Bonuspunkte, Gutscheine – Einkaufs-Apps locken mit Vergünstigungen. Doch während wir fleißig aufs Smartphone tippen und Barcodes scannen, nutzen die Anbieter unsere Daten für Kundenprofile, die immer detaillierter werden.

Eine klassische Einkaufspassage – und immer wieder meldet sich das Smartphone, zumindest wenn die App „Shopkick“ installiert ist. Das Programm macht so auf spezielle Angebote aufmerksam.

Punkte gegen Daten

Um in bestimmte Läden zu locken, bietet „Shopkick“ Bonuspunkte an, sogenannte Kicks. Die gibt es bei Karstadt und Kaufhof genauso wie bei Netto und Penny, den Modeketten H&M, Esprit und Zara, bei OBI, Media Markt und Saturn. Beim jedem Gang durch die jeweilige Ladentüre landen Punkte auf dem Konto. Will man die Punkte behalten und irgendwann gegen einen Shoppinggutschein eintauschen, braucht man ein „Shopkick“-Konto. Dabei muss man seine E-Mail Adresse angeben oder den Facebook-Account verraten. Die App als eine Art Kundenkarte will den Nutzer kennen lernen. Die Datenschutzverwendungsrichtlinie der App ist daher auch gezielt darauf abgestimmt, Daten zu sammeln. Mit denen ist vieles möglich. Etwa mit der angewendeten Funk-Technologie genaue Bewegungsprofile erstellen. Also feststellen, in welchen Läden ist der Nutzer gewesen, an welchen Regalen ist er vorbeigegangen und wo ist er besonders lange stehen geblieben. Über die Kombination mit einer Zahlungsfunktion – also Handy hinhalten, Betrag wird vom Konto abgebucht – könnte „Shopkick“ alle Einkäufe einer Person genau aufzeichnen und auswerten.

Shopkick – Erfolgsstory aus den USA

Bislang haben die Shopkick-App gut eine Million Nutzer in Deutschland herunter geladen, in gerade mal einem knappen halben Jahr. In den USA ist das Programm ein Renner; und zwar bei Kunden und bei Ladenbesitzern gleichermaßen. Die Nutzer stören sich offenbar nicht daran, dass sie die App auf Schritt und Tritt verfolgt, ihr Verhalten aufzeichnet und sie außerdem manipuliert. „Shopkick“ berichtet selbst, dass Konsumenten zwischen 50 und 100 Prozent mehr Geld in Läden ausgeben würden, wenn die App auf dem Smartphone läuft. „Shopkick“ wiederum profitiert von den willigen Klienten, denn je mehr Bonuspunkte die im jeweiligen Laden erreichen, umso mehr muss der Händler dort für das Programm bezahlen.

Den Originalartikel finden Sie im Bayern 2-Notizbuch auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks.

Datenschutz reloaded: Teilen statt Darwinismus?

Die Debatte um Datenschutz lässt verschiedene gesellschaftliche Meta-Aspekte im Umgang mit Daten außer Acht. Statt über das einfache Pro und Contra des Sammeln von Daten zu diskutieren, sollten wir vielleicht auch fragen, in welchem gesellschaftlichen Zusammenhang welche Positionen vertreten werden.

In der Zukunft wird deine Versicherung wissen, wann du Sex hast

Zuerst gaben uns Versicherungen Blackboxen für unsere Autos, damit sie unser Fahrverhalten aufzeichnen konnten. Im Gegenzug erhielten wir Prämien, wenn wir Geschwindigkeitsüberschreitungen vermieden. Jetzt sollen Blackboxen für unsere Körper kommen. (Beitrag in Englisch)

Wer bin ich? Was bin ich eigentlich wert? Wer mit unseren Daten Geld verdient

Wir werden gefilmt, getrackt, vermessen und kategorisiert und das ständig und vor allem ohne dass wir es so richtig bemerken. Und das nicht nur von Google, Facebook und Co, sondern auch von so scheinbar altmodischen Unternehmen, wie der guten alten Deutschen Post.

Nugg.ad heißt ein Unternehmen, das Online-Werbefirmen hier seine neuen Methoden der Kundenanalyse anpreist. Nugg.ad analysiert, wie wir uns durch die Online-Portale der großen Nachrichtenseiten wie Süddeutsche.de, Zeit.de oder bild.de, klicken. Aus diesen Daten werden Profile von uns erstellt, mit deren Hilfe entschieden wird, welche Werbung wir auf der Seite sehen. Daten über uns werden praktisch bei jedem Klick in der Online-Welt gesammelt, aber auch bei immer mehr Schritten in der Offline-Welt.

Es geht nicht um Google

Wer jetzt glaubt, dass Nugg.ad eine total heißes New-Economy, super neues Start-Up-Unternehmen ist, der liegt allerdings falsch. Nugg.ad ist die Tochterfirma eines scheinbar ganz und gar langweiligen Unternehmens der Old-Economy. Der Deutschen Post. Die Post ist einer der größten Datenhändler in Deutschland,  und mischt fleißig beim Online- und Email-Marketing mit.

Vor allem aber verfügt die Deutsche Post über 37 Millionen Adressen, die sie mit über einer Milliarde zusätzlichen Informationen  – vom Alter über Einkommen bis zum eigenen Auto – anreichern kann und an die Werbeindustrie verkauft. Den Handel mit den Daten übernimmt eine Tochterfirma, die Deutsche Post Direkt. Auf der Webseite der Post Direkt, kann sich dann jeder die passenden Adressen mit Zusatzinformationen raussuchen.

Post Direkt ist nicht die einzige Firma, die ein solches Datenhandelsportal im Netz betreibt. Auch die schwäbische Firma Schober, die auch mit der Post zusammen arbeitet, bietet ihre Daten im Netz feil. Bei Schober ist die Auswahl bei den Zusatzinformationen nicht ganz so umfangreich, wie bei der Post. Aber auch hier wird man sicher fündig. Nach eigenen Angaben, stehen der Schober Information Group 50 Millionen Adressen zu Verfügung.

Personenbezogene Daten, also etwa unsere Namen oder Adressen, mit denen wir uns eindeutig identifizieren lassen können, sind besonders sensible Daten. Eigentlich darf mit diesen Daten nichts gemacht werden, ohne dass wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Das erlaubt es, das bestimmte Daten wie: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl, weitergegeben werden dürfen, ohne dass man seine Einwilligung gibt.

Das Listenprivileg

Personenbezogene Daten, also etwa unsere Namen oder Adressen, mit denen wir uns eindeutig identifizieren lassen können, sind besonders sensible Daten. Eigentlich darf mit diesen Daten nichts gemacht werden, ohne dass wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Das erlaubt es, das bestimmte Daten wie: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl, weitergegeben werden dürfen, ohne dass man seine Einwilligung gibt.

Eigentlich sollte 2009 das Datenschutzgesetz so verändert werden, dass dieser Handel nicht mehr möglich ist. Eine Lobby aus großen Datenhändlern, Versandhändlern und auch Zeitungsverlegern brachte die Gesetzesänderung zu Fall. Und so dürfen in Deutschland weiter auch unsere Namen und Adressen gehandelt werden, ohne dass man seine Zustimmung gibt.

Zusammenwachsen von On- und Offline-Tracking

Wenn man also in Deutschland über Datenschutz und -handel spricht, muss man eben nicht nur über Google, Facebook und Co. sprechen, sondern auch über die gute alte Deutsche Post. Wenn nicht sogar noch mehr, denn die Post und andere deutsche Datenhändler haben Zugriff auf einen Offline-Datenschatz von dem ein Unternehmen wie Google im Moment nur träumen kann. Und Post und Co. arbeiten hart daran ihre Off- und Online-Aktivitäten zu verbinden, damit man uns in Zukunft noch besser über unsere Lieblingsprodukte informieren kann.

Autor dieses Beitrags ist Sebastian Strube aus der Zündfunk-Redaktion beim Bayerischen Rundfunk. Den Original-Artikel finden Sie hier.

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