Wir werden gefilmt, getrackt, vermessen und kategorisiert und das ständig und vor allem ohne dass wir es so richtig bemerken. Und das nicht nur von Google, Facebook und Co, sondern auch von so scheinbar altmodischen Unternehmen, wie der guten alten Deutschen Post.
Nugg.ad heißt ein Unternehmen, das Online-Werbefirmen hier seine neuen Methoden der Kundenanalyse anpreist. Nugg.ad analysiert, wie wir uns durch die Online-Portale der großen Nachrichtenseiten wie Süddeutsche.de, Zeit.de oder bild.de, klicken. Aus diesen Daten werden Profile von uns erstellt, mit deren Hilfe entschieden wird, welche Werbung wir auf der Seite sehen. Daten über uns werden praktisch bei jedem Klick in der Online-Welt gesammelt, aber auch bei immer mehr Schritten in der Offline-Welt.
Es geht nicht um Google
Wer jetzt glaubt, dass Nugg.ad eine total heißes New-Economy, super neues Start-Up-Unternehmen ist, der liegt allerdings falsch. Nugg.ad ist die Tochterfirma eines scheinbar ganz und gar langweiligen Unternehmens der Old-Economy. Der Deutschen Post. Die Post ist einer der größten Datenhändler in Deutschland, und mischt fleißig beim Online- und Email-Marketing mit.
Vor allem aber verfügt die Deutsche Post über 37 Millionen Adressen, die sie mit über einer Milliarde zusätzlichen Informationen – vom Alter über Einkommen bis zum eigenen Auto – anreichern kann und an die Werbeindustrie verkauft. Den Handel mit den Daten übernimmt eine Tochterfirma, die Deutsche Post Direkt. Auf der Webseite der Post Direkt, kann sich dann jeder die passenden Adressen mit Zusatzinformationen raussuchen.
Post Direkt ist nicht die einzige Firma, die ein solches Datenhandelsportal im Netz betreibt. Auch die schwäbische Firma Schober, die auch mit der Post zusammen arbeitet, bietet ihre Daten im Netz feil. Bei Schober ist die Auswahl bei den Zusatzinformationen nicht ganz so umfangreich, wie bei der Post. Aber auch hier wird man sicher fündig. Nach eigenen Angaben, stehen der Schober Information Group 50 Millionen Adressen zu Verfügung.
Personenbezogene Daten, also etwa unsere Namen oder Adressen, mit denen wir uns eindeutig identifizieren lassen können, sind besonders sensible Daten. Eigentlich darf mit diesen Daten nichts gemacht werden, ohne dass wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Das erlaubt es, das bestimmte Daten wie: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl, weitergegeben werden dürfen, ohne dass man seine Einwilligung gibt.
Das Listenprivileg
Personenbezogene Daten, also etwa unsere Namen oder Adressen, mit denen wir uns eindeutig identifizieren lassen können, sind besonders sensible Daten. Eigentlich darf mit diesen Daten nichts gemacht werden, ohne dass wir unsere Einwilligung dazu geben. Doch in Deutschland gibt es das so genannte Listenprivileg. Das erlaubt es, das bestimmte Daten wie: Name, Adresse, Geburtsjahr, Beruf sowie eine weitere Information der Wahl, weitergegeben werden dürfen, ohne dass man seine Einwilligung gibt.
Eigentlich sollte 2009 das Datenschutzgesetz so verändert werden, dass dieser Handel nicht mehr möglich ist. Eine Lobby aus großen Datenhändlern, Versandhändlern und auch Zeitungsverlegern brachte die Gesetzesänderung zu Fall. Und so dürfen in Deutschland weiter auch unsere Namen und Adressen gehandelt werden, ohne dass man seine Zustimmung gibt.
Zusammenwachsen von On- und Offline-Tracking
Wenn man also in Deutschland über Datenschutz und -handel spricht, muss man eben nicht nur über Google, Facebook und Co. sprechen, sondern auch über die gute alte Deutsche Post. Wenn nicht sogar noch mehr, denn die Post und andere deutsche Datenhändler haben Zugriff auf einen Offline-Datenschatz von dem ein Unternehmen wie Google im Moment nur träumen kann. Und Post und Co. arbeiten hart daran ihre Off- und Online-Aktivitäten zu verbinden, damit man uns in Zukunft noch besser über unsere Lieblingsprodukte informieren kann.
Autor dieses Beitrags ist Sebastian Strube aus der Zündfunk-Redaktion beim Bayerischen Rundfunk. Den Original-Artikel finden Sie hier.
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