{"id":10265,"date":"2015-05-04T12:35:30","date_gmt":"2015-05-04T12:35:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/?p=10265"},"modified":"2015-05-04T13:11:14","modified_gmt":"2015-05-04T13:11:14","slug":"verstecken-kann-sich-niemand-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/verstecken-kann-sich-niemand-mehr\/","title":{"rendered":"Verstecken kann sich niemand mehr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Facebook sammelt nicht nur Daten seiner Mitglieder, sondern aller, die das Internet nutzen. Das Netzwerk erkennt jeden Einzelnen und verkauft uns an die Werbung. Was ist der n\u00e4chste Schritt? Ein Beitrag von Wolfie Christl.<\/strong><\/p>\n<p>Charakter, politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Risikoverhalten \u2013 all das offenbart ein Facebook-Profil, selbst wenn wir diese Informationen nicht bewusst teilen. Studien haben gezeigt, dass sich allein aus unseren Likes viele Schlussfolgerungen ziehen lassen. Doch was macht Facebook selbst mit den Daten? Das Unternehmen \u00f6ffnet seinen Datenschatz f\u00fcr Firmen in allen Wirtschaftsbereichen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Datenh\u00e4ndlern sollen wir jederzeit eindeutig wiedererkannt werden \u2013 gleich, mit welchem digitalen Ger\u00e4t wir unterwegs sind, zu Hause, bei der Arbeit oder an der Supermarktkasse.<\/p>\n<p>Facebook verf\u00fcgt \u00fcber gewaltige Mengen an Informationen \u00fcber Alltag und Verhaltensweisen seiner 1,4 Milliarden Nutzer. Inklusive Instagram und Whatsapp werden inzwischen Daten von 2,4 Milliarden Menschen erfasst. Die Daten gehen nicht nur aus der Nutzung der Online-Plattform oder der Smartphone-Apps hervor, auch das Surfverhalten auf anderen Websites wird erfasst. Daf\u00fcr reicht es, wenn auf einer Website ein Like-Button oder eine Login-Funktion via Facebook eingeblendet wird \u2013 schon kann das Netzwerk verfolgen, wer auf dieser Seite gerade was macht.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Kaum ein Unternehmen auf dem Globus kennt uns besser als Facebook. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Mitglieder, sondern f\u00fcr potentiell alle Nutzer. \u00dcber den Zugriff auf die Adressb\u00fccher unserer \u201eFreunde\u201c werden E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Menschen gesammelt, die gar nicht bei Facebook sind. Die daraus resultierenden Daten sind eine Goldgrube. Denn mit diesem Wissen kann Facebook ziemlich treffsicher personalisierte Werbung anbieten. Unternehmen k\u00f6nnen gezielt Anzeigen schalten. Sie k\u00f6nnen aber auch ihre kompletten Kundendatenbanken mit einem Klick an Facebook schicken. \u00dcber die E-Mail-Adressen oder Telefonnummern werden einzelne Nutzer erkannt, um gezielt nur f\u00fcr sie Werbung anzubieten. Ein ziemlich lukratives Gesch\u00e4ft \u2013 2014 machte Facebook einen Umsatz von rund 12,5 Milliarden Dollar.<\/p>\n<h2>Daten \u00fcber nahezu jeden deutschen Haushalt<\/h2>\n<p>Und trotzdem ist man bei Facebook unzufrieden. Nur ein kleiner Teil der Daten wurde bisher zu Geld gemacht, nur ein Bruchteil des Potentials erschlossen. Seit rund zwei Jahren arbeitet Facebook daran, die gesammelten Daten zu Geld zu machen. Facebook kooperiert mit Datenh\u00e4ndlern wie Acxiom, Epsilon, Datalogix oder Bluekai. Acxiom ist erfahren im Gesch\u00e4ft mit Konsumentendaten. Es betreut die Kundendatenbanken von 15000 Unternehmen und verf\u00fcgt \u00fcber Dossiers mit bis zu 3000 einzelnen Eigenschaften von etwa 700 Millionen Menschen \u2013 von Einkommen \u00fcber Gesundheitsinteressen bis zum Wahlverhalten. Dabei wird nicht nur die amerikanische Bev\u00f6lkerung abgedeckt, auch \u00fcber nahezu jeden deutschen Haushalt liegen Profildaten vor. Die Firma Datalogix greift auf Daten aus Eink\u00e4ufen \u00fcber ein Volumen von zwei Billionen Dollar zu.<\/p>\n<p>Hier treffen Online- und Offline-Welt aufeinander. Firmen k\u00f6nnen Werbung auf Facebook schalten, die genau zu dem passt, was jemand gerade gekauft hat. Umgekehrt soll es m\u00f6glich sein, jemanden beim Einkauf im Gesch\u00e4ft als denjenigen zu erkennen, der zuvor auf eine bestimmte Online-Anzeige reagiert hat. Durch diese Verkn\u00fcpfung k\u00f6nnen Menschen fast rund um die Uhr \u00fcberwacht werden, egal, was sie gerade machen.<\/p>\n<h2>Ein Code, der f\u00fcr jede Person eindeutig ist<\/h2>\n<p>Doch es gibt einige H\u00fcrden: Damit Firmen wie Facebook und Acxiom ihre Daten verkn\u00fcpfen k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Nutzer immer wieder eindeutig identifiziert werden. Nur wenn beide Parteien wissen, um welche Person es geht, sind die Daten richtig zuzuordnen. Offiziell erfolgt die Verkn\u00fcpfung anonymisiert. Doch kommen hier die E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Nutzer \u2013 und die ihrer Freunde und Freundesfreunde \u2013 ins Spiel. Nat\u00fcrlich werden sie nicht direkt ausgetauscht. Man hat sich auf eine allen beteiligten Unternehmen bekannte Anonymisierungsmethode geeinigt. E-Mail-Adressen und Telefonnummern werden zu Zahlen- und Zifferncodes. Das Ergebnis: kein Name, keine Adresse, sondern ein sogenannter \u201eHash-Wert\u201c. Alle anderen Daten k\u00f6nnen unver\u00e4ndert bleiben.<\/p>\n<p>Werden auf diese Weise scheinbar anonymisierte Datens\u00e4tze ausgetauscht, gen\u00fcgt es, wenn eine der beteiligten Firmen ebenfalls die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer einer Person kennt, und schon wird man erkannt. Der Hash-Wert kann leicht berechnet und mit dem erhaltenen Wert abgeglichen werden. Volltreffer! Die Hash-Werte werden immer auf die gleiche Weise von E-Mail-Adresse oder Telefonnummer abgeleitet und ergeben immer das gleiche Ergebnis: ein Code, der f\u00fcr jede Person eindeutig ist \u2013 und \u00fcber den jeder, trotz vermeintlicher Anonymisierung, eben doch jederzeit zugeordnet werden kann.<\/p>\n<h2>Eine kontinuierliche Kette an Hinweisen<\/h2>\n<p>Bisher wurden die Nutzer online vor allem mit Hilfe sogenannter Cookies verfolgt. Das sind kleine Dateien, die meist ohne Wissen des Nutzers auf dessen Computer gespeichert werden. Sie enthalten einen Code, mit dem die Nutzer beim n\u00e4chsten Besuch identifiziert werden k\u00f6nnen. Das funktioniert aber nur, wenn die Nutzer immer denselben Computer und denselben Browser verwenden. Sobald sie den Computer wechseln oder wenn ein Computer von mehreren Personen genutzt wird, kommen die Cookies durcheinander. Und was ist mit Smartphones und Tablets? Da lassen die Cookies Facebook und andere Datenh\u00e4ndler fast ganz im Stich.<\/p>\n<p>Helfen soll die Firma Atlas, die Facebook 2013 von Microsoft gekauft hat und seither f\u00fcr die eigenen Zwecke umbaut. Atlas ist zwar eine Tochterfirma, hat laut Facebook-Nutzungsbedingungen aber vollen Zugriff auf die Daten der rund 1,4 Milliarden Nutzer. Atlas soll nun erm\u00f6glichen, einzelne Personen in allen denkbaren Situationen eindeutig wiederzuerkennen \u2013 im Idealfall sogar dann, wenn die Nutzer andere Ger\u00e4te wie ein Fitnessarmband, das Navigationsger\u00e4t im Auto oder einen \u201eintelligenten\u201c Fernseher verwenden und wenn sie im Gesch\u00e4ft einkaufen. Und nicht nur dann, wenn sie gerade Facebook nutzen oder eine Seite besuchen, die einen Like-Button eingebaut hat, sondern auch im restlichen Netz.<\/p>\n<p>Dabei wird mit verschiedenen technischen Tricks versucht, die Spur der Nutzer weiterzuverfolgen. Um sie nicht zu verlieren, wird eine kontinuierliche Kette an Hinweisen gelegt, die die Wiedererkennbarkeit auch dann sicherstellt, wenn die Nutzer auf Websites unterwegs sind, die keinen Like-Button von Facebook haben.<\/p>\n<h2>Mehr als die H\u00e4lfte der Zeit wird getrackt<\/h2>\n<p>Dreh- und Angelpunkt bei dieser Schnitzeljagd durchs Netz ist der Benutzeraccount. Jeder Facebook-Nutzer hat eine Nummer, und diese Nummer kennt auch Atlas, weil sie Facebook in das Atlas-Cookie hineinschreibt. Wenn Atlas nun auf einer von Facebook unabh\u00e4ngigen Website Werbung schaltet und der Nutzer diese besucht, holt sich Atlas diese Nummer aus dem Atlas-Cookie und kann ihn sofort als Facebook-Nutzer wiedererkennen. \u00c4hnlich auf dem Smartphone: Dort gibt es zwar keine Cookies, daf\u00fcr hat jedes Ger\u00e4t eine Identifikationsnummer. Sobald sich jemand bei Facebook einloggt, wird die Nummer des Ger\u00e4ts mit dem Facebook-Account synchronisiert. Dadurch bekommt Atlas auch Aktivit\u00e4ten au\u00dferhalb der eigenen Apps mit. Facebook behauptet, mit Hilfe dieser Technologie im Schnitt mehr als die H\u00e4lfte der Zeit tracken zu k\u00f6nnen, die die Nutzer heute mit ihrem Smartphone verbringen.<\/p>\n<p>So wird durch die geschickte Kombination von Cookies, Identifikationsnummern von Ger\u00e4ten und Facebook-Accounts eine Nachverfolgung m\u00f6glich, die browser-, ger\u00e4te- und plattform\u00fcbergreifend funktioniert. Aber wie wird der Einkauf im Gesch\u00e4ft mit dem Profil verkn\u00fcpft? Kein Problem, solange an der Kasse eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer hinterlassen wird \u2013 wenn etwa mit einer Kunden- oder Bonuskarte bezahlt wird.<\/p>\n<h2>Ein weltweites Netzwerk an Datensammlern<\/h2>\n<p>Das Ende der M\u00f6glichkeiten ist noch lange nicht erreicht. Atlas k\u00fcndigt fast w\u00f6chentlich neue Kooperationspartner an, vor kurzem wurde etwa eine Zusammenarbeit mit der Firma Merkle bekanntgegeben. Dieses Unternehmen verwaltet fast vier Milliarden Kundendatens\u00e4tze. Zwei der vier gro\u00dfen Datenhandelsunternehmen \u2013 BlueKai und Datalogix \u2013, mit denen Facebook zusammenarbeitet, geh\u00f6ren inzwischen zum IT-Konzern Oracle, einem der gr\u00f6\u00dften Hersteller von Datenbanken und von Software, mit denen Unternehmen ihre Kundendaten verwalten.<\/p>\n<p>So entsteht ein weltweites Netzwerk an Datensammlern, dem wir fast nicht mehr entkommen k\u00f6nnen. Ob online oder offline, ob mit dem Computer oder dem Smartphone, ob Studentin oder Rentner \u2013 Facebook wei\u00df, was wir machen, und macht dieses Wissen zu Geld. Und ob es nur bei personalisierter Werbung bleibt?<\/p>\n<p><strong>Wolfie Christl ist Datenhandelsexperte und recherchiert f\u00fcr die Web-Doku-Reihe Do Not Track. Das Projekt vom Bayerischen Rundfunk, Arte, National Film Board of Canada und Upian gibt Nutzern unter www.donottrack-doc.de die M\u00f6glichkeit, anhand ihrer Daten zu pr\u00fcfen, wer sie im Internet \u00fcberwacht. An diesem Dienstag wird die Episode zum Thema Facebook ver\u00f6ffentlicht. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/ueberwachung\/facebook-trackt-seine-nutzer-online-und-offline-13562350.html\" target=\"_blank\">Den Originalartikel finden Sie bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Facebook sammelt nicht nur Daten seiner Mitglieder, sondern aller, die das Internet nutzen. Das Netzwerk erkennt jeden Einzelnen und verkauft uns an die Werbung. Was ist der n\u00e4chste Schritt? Ein Beitrag von Wolfie Christl. Charakter, politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Risikoverhalten \u2013 all das offenbart ein Facebook-Profil, selbst wenn wir diese Informationen nicht bewusst teilen. Studien <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/verstecken-kann-sich-niemand-mehr\/\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":10280,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[171],"tags":[941,940,910,296],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10265"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10265"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10288,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10265\/revisions\/10288"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.donottrack-doc.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}